Data Governance als strategisches Fundament der S/4HANA‑Transformation
Wie ein Technischer Großhandel durch radikale Datenbereinigung, Governance‑Disziplin und strukturelle Klarheit seine S/4HANA‑Readiness herstellte.
Ausgangslage & strategische Herausforderung
Ein namhaftes Technischer Großhandel & B2B-Distributor stand vor der Weichenstellung, eine globale S/4HANA‑Transformation einzuleiten. Im S/4HANA Projekt war auch die Einführung integrierten MDG Lösung geplant. Die operative Basis – ein Materialstammdatenmodell mit über 100.000 aktiven Datensätzen – erwies sich hierbei als kritischer Flaschenhals. Die historisch gewachsene Systemlandschaft war durch eine signifikante strukturelle Schwachstelle geprägt: Die Grunddatenanlage erfolgte isoliert in einem vorgelagerten NON‑SAP‑System, dessen Synchronisation mit dem Kernsystem lediglich über periodische Batch‑Datenübergaben abgewickelt wurde.
Dieses Konstrukt führte in Kombination mit dem vollständigen Fehlen eines dedizierten Master Data Governance (MDG)‑Systems sowie verbindlicher Regelwerke zu massiven Reibungsverlusten. Ohne systemgestützte Validierung stieg die Anzahl fehlerhafter, redundanter und unvollständig angelegter Materialstämme kontinuierlich an. Die Folge: gravierende Störungen in der gesamten nachgelagerten Logistikabwicklung und ein massiver manueller Nachbearbeitungsaufwand.
Die Kernprobleme im operativen Betrieb
- Eskalierende Durchlaufzeiten: Der unstrukturierte Anlageprozess und langwierige Klärungsschleifen führten zu Ineffizienzen von bis zu 7 Tagen für eine einzige Materialstammanlage.
- Logistische Instabilität: Unvollständige Stammdaten verursachten Fehlplanungen in der Disposition, Verzögerungen in der Kommissionierung und weitreichende Performance‑Verluste in der Supply Chain.
- Systembruch und Batch‑Risiken: Die periodische Batch‑Übergabe aus dem Altsystem erzeugte chronologische Dateninkonsistenzen und verhinderte eine Echtzeit‑Validierung am Point of Entry.
Der AXIOM‑Lösungsansatz
Dem AXIOM‑Prinzip folgend wurde die Transformation nicht primär als Softwareprojekt, sondern als prozessuale Neuausrichtung konzipiert. Da kurzfristig kein MDG‑System zur Verfügung stand, implementierte AXIOM ein agiles, regelbasiertes Übergangs‑Governance‑Modell:
- Restrukturierung des Datenmodells: Das Materialstammdatenmodell wurde von Grund auf neu strukturiert. Pflichtfelder, Abhängigkeiten und Validierungslogiken wurden präzise definiert und trennscharf auf die Anforderungen der zukünftigen S/4HANA‑Zielarchitektur ausgerichtet.
- Verbindliches Governance‑Regelwerk: Einführung einer klaren, organisationsweiten Data Governance, die Rollen, Verantwortlichkeiten (Data Ownership) und Freigabeprozesse unmissverständlich regelt.
- Vorgeschaltete Validierungsroutinen: Implementierung von Prüfmechanismen, die den Datenfluss aus dem NON‑SAP‑System bereinigen und strukturieren, bevor die Daten produktiv wirksam werden.
Business Impact & ROI
- Durchlaufzeiten um 40% reduziert: Durch den Wegfall manueller Korrekturen agiert die operative Logistik erheblich reaktionsschneller.
- Risikominimierung entlang der Supply Chain: Die Fehlerquote bei der Disposition und Kommissionierung wurde durch die kompromisslose Datenqualität auf ein Minimum gesenkt.
- S/4HANA‑Readiness hergestellt: Die Bereinigung von über 100.000 Datensätzen sichert den Zeit‑ und Budgetrahmen der anstehenden ERP‑Migration ab.
C‑Level‑Fazit
„Saubere Stammdaten sind keine IT‑Pflichtaufgabe, sondern ein strategischer Business‑Enabler. Die erfolgreiche Sanierung von über 100.000 Materialstämmen ohne den sofortigen Einsatz teurer MDG‑Software beweist: Prozessdisziplin und ein kompromissloses Governance‑Regelwerk sind die entscheidenden Hebel, um operative Exzellenz zu sichern und die S/4HANA‑Fähigkeit eines globalen Konzerns herzustellen.“
Lassen Sie uns prüfen, ob Ihre Daten‑ und Governance‑Strukturen bereit sind.
Für einen persönlichen Austausch steht der Autor gerne zur Verfügung. Kontakt per E‑Mail .